Alles richtig!? Kirchenbotschafter und digitale Kommunikation

Bei der Abendveranstaltung der Evangelischen Akademie „#zwischen0und1: Werbung, Seelsorge oder Mission?“ in Lübeck am 30.10.18 wurden in mehreren kurzen Impulsvorträgen (von Ingo Dachwitz und Dr. Benedikt von Walter) und einer Podiumsdiskussion einige Merkmale digitaler Kommunikation und Anforderungen an erfolgreiche Teilnehme daran erläutert. Und wir – Thea und Andreas – haben das Kirchenbotschafterprojekt dort vorgestellt.

Danach ist Digitale Kommunikation heute u.a. dadurch gekennzeichnet, dass sie

  • zeit- und ortsungebunden ist,
  • in Netzwerken stattfindet, die über Austausch und Gegenseitigkeit funktionieren,
  • und sich an verschiedene, fragmentierte Ausschnitte der Öffentlichkeit richten, die je unterschiedliche Perspektiven und (teils durch Algorithmen gesteuerte) Informationsstände haben.

Erfolgreich kann digitale Kommunikation dann sein, wenn sie

  • sich einstellt auf die Individualisierung in der Gesellschaft,
  • das hohe Tempo und die Kurzfristigkeit der Kommunikation sowie die kurzen Aufmerksamkeitsspannen der Adressaten.
  • Kurze Happen an Informationen (sog. Module) kommen besser an lange Texte.
  • Die Inhalte müssen aus der Sicht der Nutzer relevant sein, und beide Seiten sollten etwas von dem Austausch haben.
  • Zugleich müsse man aufgrund der ständigen Bewegung eher „Tür“ zu weiteren Informationen und Angeboten sein als „Haus“, in dem schon alles gespeichert ist.

Speziell für die digitale Kommunikation der Kirche wurden als zusätzliche Anforderungen genannt:

  • dass man das enge „Kirchturm-Denken“ und „Kirchensprech“ sowie die für Predigten und Gottesdienste typischen „one-to-many-Kommunikationssituation“ hinter sich lassen müsse.
  • Und: nicht nur senden, auch aktiv zuhören, sei das Gebot der Stunde!

Beachte man dies alles, könne man auch die Aufmerksamkeit der Menschen im digitalen Raum finden.
Für mich klang vieles davon sehr plausibel. Und wenn ich das alles zusammen nehme, kann ich nur eine Schlussfolgerung ziehen: Wir machen ganz viel richtig bei den Kirchenbotschaftern!

Denn:

  • wir verlassen unseren eigenen Kirchenraum, wir gehen den Menschen zeit- und ortsunabhängig nach, dorthin, wo sie ohnehin kommunizieren.
  • Wir sind in unterschiedlichen Foren aktiv ¬– und gehen dort auf die Individuen zu und auf die unterschiedlichen fragmentierten Ausschnitte der Öffentlichkeit ein.
  • Wir schalten uns häufig in bereits existierende Dialoge ein, die aus der Sicht der anderen Forennutzer also relevant sind.
  • Legen wir selbst Threads an, probieren wir aus, ob unsere Fragen auch von anderen als relevant empfunden werden.
  • Wir treten in einen Austausch. Wir hören aktiv zu, wo die Fragen und Probleme liegen, und fragen dort auch nach.
  • Wir beantworten einzelne Anfragen und Beiträge – und liefern damit kurze Happen, keine langen Texte oder religiöse Abhandlungen. Geben also einerseits Antworten und Informationen – aber lernen dabei auch selbst etwas.
  • Wir erfahren z.B., welche Fragen und Themen relevant sind außerhalb der Gemeinden und Kirchenmauern.
  • Schreibend und antwortend üben wir, über unseren Glauben zu sprechen – sprachfähig zu werden in vielen „Sprachen“ und Dialekten…
  • Wir arbeiten mit Ehrenamtlichen, die ihre alltägliche Sprache sprechen, und daher nicht in „Kirchensprech“ verfallen – wir Ehrenamtliche beherrschen das mehrheitlich gar nicht ☺.
  • Wir outen uns als Kirchenbotschafte¬rinnen und Kirchenbotschafter, ohne den Anspruch zu erheben, dass jemand wieder in die Kirche eintreten muss.
    So sind wir Tür statt Haus – wer möchte, kann durch die Tür gehen, das Gespräch mit uns vertiefen, Hinweise auf weitere Kontaktmöglichkeiten bekommen, uns in unseren Kirchenräumen besuchen oder weitere Informationsangebote erhalten.

Mein Fazit: Die Struktur des Kirchenbotschafter-Projektes erfüllt alle zentralen Anforderungen, die man an die Digitale Kommunikation der Kirche stellen muss. Gut gemacht, gut gelungen! Nun müssen wir nur noch etwas wachsen.

Verstärkung welcome!
Thea, Kirchenbotschafterin

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