Erfahrungsbericht: Als ich in ein Fußballfan-Forum geriet…

Es ist ja nicht so, dass Fußball-Fans nur über Fußball reden. Ganz im Gegenteil. Gerade dort sind religiöse Themen heiß diskutiert. Ich wollte also als Kirchenbotschafterin mal bei „denen“ mitreden. Was dann kam, war hoch emotional für alle Seiten.

Der Thread hieß „Nun sag, wie hast du’s mit der Religion? (Ob der Schreiber wusste, in welchem Zusammenhang Goethes Gretchen ihren Faust nach seiner Gläubigkeit fragt, bleibt offen.) In diesem weltlichen Forum also fielen Begriffe wie Gotteserfahrung, Sünden, Missionierung, Ablasshandel, Atheismus. Das volle Programm also. Ich hatte zum Beispiel geschrieben, dass ich nicht missionieren würde, wenn mich aber jemand fragt, ob oder warum ich gläubig sei, gerne davon erzähle. Ich wurde daraufhin als Kirchenbotschafterin angegriffen, beleidig und auch verteidigt. Ein hitziger Dialog entstand, an dem ich mich gar nicht mehr beteiligen musste.

Meine Erfahrung aus diesem Dialog (und auch anderen) war letztendlich, dass es in weltlichen Foren deutlich rauer bzw. direkter zugeht als in religiösen. Dass es neu für mich ist, meinen Glauben zu verteidigen. Dass es Spaß macht, sich in diesen digitalen Welten auszutauschen und damit den Ernstfall in der analogen Welt zu proben. Apropos analoge Welt: Erzähle ich Mitchristen von meiner ehrenamtlichen Arbeit als digitaler Kirchenbotschafterin, erlebe ich noch erstaunlich häufig Befremden. Ist dieses anonyme Geschreibe nicht oberflächlich, „fakenews“ sozusagen? Nein, sage ich dann, mich fordern diese Dialoge im besten Sinne heraus, über meinen eigenen Glauben verstärkt nachzudenken. Wenn ich aufgrund meiner familiären und beruflichen Umstände kaum in Gottesdienste oder andere kirchliche Veranstaltungen gehen kann, so finde ich durchaus Gemeinschaft im Internet im Sinne von Gedankenaustausch. Einen echten Gottesdienst oder Konzert kann es aber nicht ersetzen. Digital geht meiner Meinung nach also nur mit analog.

Lust mal in den Thread zu gucken? Hier entlang: http://worum.org/threads/16503-Nun-sag-wie-hast-du%E2%80%99s-mit-der-Religion

Viel Spaß wünschen die Kirchenbotschafter

2 Antworten auf „Erfahrungsbericht: Als ich in ein Fußballfan-Forum geriet…“

  1. Dass der Begriff „Mission“ ausserkirchlich oft negativ besetzt wird, geschieht nicht ohne Grund, und Mission war immer Mist, wenn sie mit Eroberung, Kolonialismus und Imperialismus Hand in Hand ging. Gottlos, zweifelsohne.
    Weshalb Kirchenleute den Begriff allerdings auch gerne mit Adjektiven wie z.B. „platt“ verknüpfen, verstehe ich nicht. Auf mich wirkt das anbiedernd. Als sei es uns peinlich, davon zu erzählen, was uns trägt, wenn’s eng wird, und welchen guten Einfluss die Radikalität Jesu für unsere Welt haben könnte, wenn wir ihn ernst nähmen.

    1. Liebe Petra Kallies!
      Ich freue mich sehr über Ihren Kommentar, deswegen bekommen Sie jetzt auch eine Antwort 😉
      Ich gehe da ganz mit Ihnen, daß gottlose Mission nicht die Mission ist, von der wir inner- und außerkirchlich eigentlich sprechen wollen. Meine Erfahrung in diesem besagten weltlichen Fußball-Fanforum war genau diese, dass sich nämlich Christen häufig dafür entschuldigen und rechtfertigen müssen, was historisch missionarisch kolonialistisch passiert ist. Ich persönlich fühle mich dann nicht ernsthaft angesprochen. Ich fühle mich aber verantwortlich dafür, mir Gedanken über das Thema Mission zu machen, wenn ich in den digitalen Foren als Kirchenbotschafterin unterwegs bin und darauf angesprochen werde. Dann stelle ich fest, daß ich als Laie eigentlich nichts wirklich Theologisches dazu sagen kann. Und dass ich genau das auch überhaupt nicht will. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal in kirchlichen Bezügen als normales Kirchenmitglied über Mission gesprochen habe. Der Gedanken-Austausch darüber in den diversen Foren hat also gesessen, vielleicht werde ich deswegen in der Zukunft auch anders darüber schreiben und sprechen können. Fragen Sie mich in einem Jahr wieder, okay?

      Die www-Dialoge schätze ich jedenfalls wie ein Kirchencafé-Gespräch nach dem Gottesdienst. Und die sind ja oft überraschend intensiv. (Ja, das ist ein Aufruf an alle, mal wieder zum Kirchencafé in der Gemeinde zu bleiben ;-))
      Und von meinem Glauben und wie sehr er mich gerade in schweren Zeiten trägt, davon schreibe ich dann sehr gerne. Das ist mir überhaupt nicht peinlich. Haben Sie da andere Erfahrungen gemacht?
      Und was Sie nun genau mit platter Mission innerhalb der Kirche meinen, habe ich nicht recht verstanden. Mögen Sie darauf vielleicht auch noch konkreter eingehen?

      Ich freue mich, Sie hier im Kirchenbotschafter-Blog wieder zu treffen,
      ganz herzlich,

      Anna, Kirchenbotschafterin

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