So fühlt es sich an, ein Kirchenbotschafter zu sein

100 Tage sind es noch nicht, aber ich bin jetzt knapp sechs Wochen bei den Kirchenbotschaftern aktiv: Zeit für einen ersten Blick auf die Erfahrungen, auf das, was mir daran gut gefällt. Menschen stellen im Netz Glaubens- und Religionsfragen, die sie umtreiben, und suchen nach Antworten. Sie legen Threads und Posts an und versuchen darüber in einen Austausch mit anderen zu kommen. Ich stoße dabei auf viele Themenbereiche, über die ich selbst derzeit nicht nachdenke oder vielleicht auch noch nie vertieft nachgedacht habe. Insofern erweitere ich meinen eigenen Themenhorizont – generell oder aktuell.

In meinem Alltag wird eher weniger über Glaubensfragen gesprochen. In meinem Freundes- und Bekanntenkreis tritt oft eine gewisse peinliche Verlegenheit auf, wenn es auf „diese Themen“ kommt. Verlässt meine Tochter das Haus, gebe ich ihr meinen Segen eher still mit und spreche ihn nicht laut aus. Und dass ich für die Freundin bete, kann ich gerade ihr auch nicht sagen, sie würde es brüsk ablehnen. Mit Kollegen in der Wissenschaft oder mit fremden Menschen spreche ich schon gar nicht über meinen Glauben. Es sei denn, ich werde direkt danach gefragt. Aber siehe da – als Kirchenbotschafterin treffe ich auf Communities im Netz, wo sehr frei heraus und intensiv über Glauben debattiert, gestritten, kommuniziert wird – und die Anonymität hinter den Benutzernamen hilft offenbar sogar dabei.

Schön finde ich, dass das Spektrum der Haltungen, in denen die Beiträge geschrieben werden, nach meine Wahrnehmung riesengroß ist. Von dezidierten, auch manchmal extremen Positionen über kenntnisreiche Sachbeiträge und haarspalterische Begriffszerlegungen, bis hin zu tastenden, suchenden Fragen zur eigenen Glaubenspraxis ist alles dabei, was ich mir nur vorstellen kann. Gemeinsam scheint vielen Beitragenden aber zu sein, dass das Interesse sehr intensiv und oft tiefgehend ist – und deutlich mehr evangelikale Positionen da draußen vertreten werden als ich es aus meiner landeskirchlichen Gemeinde kenne. Soviel Feuer hinter Glaubensfragen erlebe ich sonst selten.

Mein erstes Zwischenfazit daher: Themenhorizont erweitert, über Glauben explizit gesprochen, intensives Interesse erlebt. Gebongt!

Thea
Kirchenbotschafterin

Andreas

Andreas

Ich arbeite hauptberuflich bei der Nordkirche, als Pastor in einem übergemeindlichen Amt. Mir macht das Theologisieren Spaß: nachdenken über die wichtigen Dinge im Leben und wie sie mit Gott zusammen hängen. Dafür Sprache finden: etwas Wesentliches sagen an den Grenzen des Sagbaren. Jetzt auch im Netz.
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